Über Etiketten, Erlaubnis und die Frage, wer eigentlich mitreden darf.
Wer heute über Selbstwert spricht, bekommt schnell ein Etikett. Coachin. Mentorin. Expertin. Am besten mit Zertifikat und einem Programm in sieben Schritten.
Ich habe lange überlegt, ob ich mir dieses Etikett anheften soll. Ob ich erst noch eine Coaching-Ausbildung machen muss, bevor ich hier schreiben darf. Es wäre einfacher gewesen. Ein Titel erklärt sich von selbst. Niemand fragt nach.
Ich habe mich dagegen entschieden. Und weil das auf den ersten Blick seltsam wirken kann, möchte ich erklären, warum.
Was qualifiziert sie eigentlich dazu?
Als die Idee zu MESTANCE immer konkreter wurde, kam diese Frage sofort. Nicht von außen. Von innen. Was qualifiziert dich dazu? Wer bist du, dass du anderen Frauen etwas über Selbstwert erzählen willst?
Ich habe sie erkannt. Es ist derselbe Satz wie immer, nur in einem neuen Kleid. Was sollen die Leute sagen? diesmal in der Version: Du darfst erst mitreden, wenn dir jemand die Erlaubnis gibt.
Und da wurde mir klar: Wenn ich mir jetzt schnell ein Zertifikat hole, damit niemand fragt, dann mache ich genau das, worüber ich hier schreiben will. Dann lasse ich wieder den Satz entscheiden.
Ein Titel kann vieles sein. Aber er sollte nicht die Eintrittskarte sein, um über das eigene Leben sprechen zu dürfen.
Ich möchte nicht, dass Frauen denken, sie müssten erst eine Ausbildung machen, eine Rolle erfüllen oder einen Abschluss vorweisen, bevor ihre Erfahrung zählt. Deshalb fange ich bei mir an.
Was ich stattdessen mitbringe
Ich habe keinen geraden Lebenslauf. Lange dachte ich, das sei ein Makel. Heute glaube ich, es ist genau das, was ich anzubieten habe.
Wirtschaft. Ich bin gelernte Handelsfachwirtin, habe Teams geführt, viele Jahre im Vertrieb gearbeitet und Mitarbeiter ausgebildet. Ich weiß, wie man verhandelt, wie man überzeugt und wie man ein Nein aushält.
Menschen einschätzen. In der Berufsorientierung habe ich junge Menschen begleitet: Stärken finden, Schwächen ehrlich anschauen, einen Platz in der Arbeitswelt suchen. Und das mitten in der Pandemie, als der Arbeitsmarkt eigentlich geschlossen war.
Psychologie. Ich habe angewandte Psychologie studiert. Nicht abgeschlossen, im Moment pausiert. Aber genug, um zu verstehen, wie Glaubenssätze entstehen. Und genug, um zu wissen, wo meine Grenzen liegen.
Pädagogik. Ich bin Lehrerin an einer Förderschule. Ich sehe jeden Tag, was passiert, wenn Kinder nur noch ihre Defizite hören. Und was passiert, wenn jemand ihre Stärken sieht.
Bühne. Ich trainiere und choreografiere Tanzgruppen. Ich weiß, wie sich Lampenfieber anfühlt und wie man eine Gruppe zusammenhält.
Leben. Ich bin Mutter von zwei Söhnen, Ehefrau, Pferdemensch. Und eine Frau, die viele dieser Sätze selbst mit sich herumgetragen hat.
Keine dieser Stationen macht mich zur Expertin für dein Leben. Aber zusammen ergeben sie einen Blick, den ich mit dir teilen möchte.
In den letzten Monaten haben mir immer wieder Frauen geschrieben, ganz unterschiedlichen Alters. Sie haben mir erzählt, wie sehr sie meine Worte schätzen und wie oft ich sie damit zum Nachdenken über sich selbst bringe.
Ohne Titel. Ohne Programm. Einfach mit Worten.
Auch das war am Ende ein Anstoß für MESTANCE.
Was du hier bekommst – und was nicht
Weil ich keine Coachin bin, will ich ehrlich sagen, was MESTANCE ist. Und was nicht.
Was du hier nicht bekommst:
– Kein neues Ich in sieben Schritten.
– Keine Methode, die für alle passt.
– Keine Therapie. Wenn dich etwas wirklich belastet, wenn alte Wunden aufbrechen oder du nicht mehr weiterweißt, dann gehört das in professionelle Hände. Das ist keine Schwäche. Das ist Selbstwert.
Was du hier bekommst:
– Fragen statt fertiger Antworten.
– Ehrliche Geschichten, auch meine eigenen.
– Einen Raum, in dem du nicht bewertet wirst.
– Und andere Frauen, die gerade dasselbe sortieren wie du.
Wenn wir uns bei einem WESTANCE-Abend treffen, bin ich dort Gastgeberin. Nicht Lehrerin, nicht Coachin. Ich stelle die Fragen, die ich mir selbst stelle. Und höre zu.
Wer bewegt wen?
Vom Pferd habe ich eine Frage gelernt, die mir mehr beigebracht hat als jedes Buch: Wer bewegt wen?
Einem Pferd ist egal, welchen Titel du hast. Es liest dich. Deine Haltung, deine Ruhe, deine Klarheit. Ob du weißt, was du willst. Ob du bei dir bist. Es folgt nicht dem lautesten Menschen im Stall, sondern dem klarsten.
Ich glaube, bei uns Menschen ist das gar nicht so anders. Wir spüren, ob jemand echt ist. Ob er etwas wirklich durchlebt hat oder nur gelernt.
Ich möchte nicht laut sein. Ich möchte klar sein. Klarheit statt Lautstärke.
Umgeschrieben:
Du darfst erst mitreden, wenn du einen Titel hast.
Deine Erfahrung ist Grund genug.
Zum Mitnehmen:
– Auf welche Erlaubnis wartest du noch?
– Welches Etikett glaubst du zu brauchen, bevor du dich traust?
– Und was würdest du tun, wenn deine Erfahrung schon reichen würde?
Wenn du magst, schreib mir. Über das Formular hier auf der Seite, gern auch ohne Namen. Oder auf Instagram, wenn du dort bist.